KATRIN KRUSE


Text

Sprechen wir über Gebrauchstexte: Mein Kriterium für einen guten Text ist, dass er auf drei Ebenen funktioniert. Die erste Ebene ist der Text selbst – wie anschaulich, verständlich, gut lesbar er ist, ob er Verve hat und ob seine Dramaturgie funktioniert. Die zweite Ebene ist der Kontext – der souveräne Umgang mit dem Jargon, den Lieblingsbegriffen und den Leerformeln der jeweiligen Branche. Die dritte Ebene ist die der Tonalität – dass der jeweilige Stil, die Arbeitsweise und Haltung im Geschriebenen fassbar werden.

Die richtige Tonalität ist keine Frage von Geschmack, sondern eine Frage von Angemessenheit. Es gibt nüchterne Methoden, die zu ihr führen: die Arbeit mit dem Subtext etwa, dem semantischen Feld oder der Blacklist.

Das Redigieren kann ein minimer Feinschliff sein oder ein Eingriff in die Struktur, die Sprache und Argumentation. Es reicht von einem letzten Korrekturlesen bis zur Veränderung der Haltung und Tonalität.

Die Interventionstiefe hängt von der Qualität des Ausgangstextes ab – und davon, was Sie wollen. Nicht jeder Text muss ein fein austariertes Gebilde sein. Aber jeder Text hat eine Architektur, und er sollte sauber gebaut sein. Und, auch das gilt immer: keine Strafe zu lesen.